Von den Nachbarn lernen

22 Aug

Auf die Idee zu dem Blogartikel bin ich gekommen, als wir mal wieder schnell nach Österreich gehuscht sind. Denn von hier aus sind es ja nur ein paar km und in einer Stunde ist man locker in Tirol oder im Salzburger Land (hab ich schon erwähnt, dass wir sehr zentral in einer Touristenregion wohnen?)

Bei diesem Ausflug sind mir einige Dinge mal wieder aufgefallen, die unsere Nachbarn erheblich besser machen, als wir hier in Deutschland. Wir Österreichanrainer haben uns schon lange an das Pickerl, also die Vigniette gewöhnt. Das ist bei den Ösis halt so und deren Straßen sind auch in echt guten Zustand. Nicht nur die Autobahnen, sondern auch die Landstraßen. Und das in einem Land, wo man extrem viele  Bergstraßen, Tunnels und Brücken braucht.  Da Österreich ein Transitland ist (wie Deutschland übrigens auch), ist es eigentlich auch recht und fair, wenn man für die guten Straßen einen Beitrag zahlt und etwa 8€ für 10 Tage ist ja auch okay.

Doch wir brauchten noch nicht mal dieses Pickerl, denn bis Kufstein Süd darf man (noch) umsonst fahren und danach sind wir per Landstraße in die Kitzbüheler Alpen gefahren.

Warum wir erst durch das Sudelfeld rüber nach Österreich fahren um auf einen Berg zu kommen ist eine zweite geniale Geschäftsidee der Österreicher. Sie machen die Berge auch im Sommer interessant. Vor allem die hohen Berge, die man nicht mal locker in 1 bis 2 Stunden ersteigen kann. Denn diese haben das nicht nötig.

Okay, für alle die sich mit Bergen nicht so auskennen. Nehmen wir mal die Kampenwand oder die Hochries. Zu beiden Gipfel führen Berglifte. Wenn man diese nicht nutzen möchte, braucht man von der Kampenwand runter ins Tal etwa 1,5 Stunden (also wir) und auf die Hochries rauf gehen Bekannte von uns etwa 1,5 bis 2 Stunden. Die andere Strecke kann man bequem mit dem Lift zurücklegen.

Beide Wege nach unten sind gut ausgebaut und somit auch gut für Touristen geeignet. (In der Hochries ab Mittelstation geteerter bequemer breiter Weg!) so sind oft nicht mal wirklich Bergschuhe nötig. Obwohl diese natürlich besser sind – denkt an die Trittfestigkeit und Stütze im Knöchel.

Diese Berge sind deshalb auch bei Touristen sehr beliebt. Man kommt relativ leicht rauf und trotzdem sind die Berge so hoch, dass sie ein tolles Panorama, einen tollen Weitblick zeigen und auch von unten (also von der Ferne) als markante Gipfel gut zu identifizieren sind.

Anders sieht es bei Bergen aus, die eine Aufstiegszeit von 2 Stunden + aufweisen. Den meisten Besuchern ist das schon wieder fast zu anstrengend, vor allem im Sommer, wenn man nicht mit den Schiern abwärts sausen kann. Wenn nun keine andere Attraktion da ist, liegen diese Berge oft fast verwaist da, bzw. hier treffen sich alle, die wirklich in die Berge gehen möchten und Tageswanderungen in Kauf nehmen.

Ein weiterer Nachteil von Bergen ist – der nächste Berg ist nebenan (erinnert mich gerade an Webseiten  :grin:) Also wird meist der Berg bestiegen, der die größte Attraktivität bietet.

Womit wir wieder bei den Österreichern sind. Sie haben eine tolle Attraktivität ins Leben gerufen, einen (zu hohen) Berg attraktiv zu machen. Es führt eine Gondel in die Mittelstation und von dort führt ein Wanderweg entlang zu verschiedenen Almen. Damit aber nicht genug. Der vorhandene Bach wurde geschickt genutzt und ein tolles Gesamtkonzept entwickelt. Speziell für Familien mit jüngeren Kindern, für alle etwas dabei. Wasser zum spielen, Barfußweg für Kinder und Erwachsene, verschiedene Stationen für die Erholung und zum Erlebnis.

Und glaubt mir, das Konzept geht auf! Wir waren an einem Wochentag in den Sommerferien dort. Heißes Wetter. Und es ist wirklich zugegangen im Hexenwasser. Dabei ist das Vergnügen noch nicht mal besonders günstig. Auf andere Berge kommt man erheblich billiger. Trotzdem zieht es Besucher aus allen Ecken der Welt (und noch viel mehr aus Deutschland) dorthin. Seien es Besucher wie wir direkt Grenznah oder wirklich Touristen, die entweder in Bayern oder Österreich Urlaub machen.

Warum nutzen wir das nicht auch? Schließlich stehen hier auch genügend Berge rum.

Warum schauen wir uns nicht mal ein geniales Konzept von den Nachbarn an und machen es ähnlich, für unsere Bedürfnisse angepasst auch? Eine reine Kopie muss ja nicht sein, das funktioniert sowieso nicht. Aber inspirieren lassen können wir uns wohl!

Fazit

Wie mein Beispiel zeigt, kann man von den Nachbarn sicher einiges Lernen und abschauen. Das gilt immer und überall. Warum ist Euer Konkurent so viel erfolgreicher? Wieso ist im Nachbargeschäft viel mehr los.

Schaut es Euch an, macht Euch ein Bild, warum die Leute dahin gehen und lasst Euch inspirieren!

Besuch von Hexenwasser in Österreich

6 Responses

  1. Iris sagt:

    Ich bin zwar kein Berg- und Naturexperte, aber kann es sein, dass in Österreich einfach der Geschäftssinn über verkrampftes deutsches Festhalten an wirklich unberührter und unzivilisierter Natur siegt? Wenn du z.B. über einen geteerten Weg zum Wandern schreibst, höre ich doch schon wieder irgendwelche Leute über versiegelte Naturflächen jammern.

    Ich in meiner Kinderzeit wäre auf jeden Fall mit wesentlich mehr Begeisterung mit meinen Eltern in die Berge gegangen, wenn es damals schon so ein Angebot wie das Hexenwasser gegeben hätte.

    • Mella sagt:

      Sorry Iris, ich vergaß wohl zu erwähnen, dass Kampenwand und Hochries in Deutschland liegen und somit die geteerten Straßen auch in Deutschland sind. Am Hexenwasser sind diese Straßen nicht. Und ich konnte nicht direkt feststellen, dass dort der Geschäftssinn über dem Naturschutz steht, sondern eher eine interessante Verbindung eingeht – wie man die Natur schützt und trotzdem damit verdient.

      • Iris sagt:

        Danke für die Aufklärung mit der Lage der Berge. Da kannste mal sehen, wie wenig Ahnung ich habe ;) Ja, die Kombination aus Natur und angemessenem Geschäft macht es wahrscheinlich aus und ich finde es gut, dass man sich in Österreich da rantraut.

  2. Susanne K. sagt:

    Der Artikel ist super! – Da wir allerdings früher immer in einer großen Gruppe mit anderen Familien gewandert sind und immer irgendwelche Kinder zum Quatschmachen dabei waren und auch die Väter *räusperkicher*, war es gar nicht so langweilig für uns.

    Jedoch ich persönlich muss sagen: mir sind mittlerweile die ruhigen Wanderwege, auf denen einem höchstens Kühe über den Weg laufen wesentlich liebe. Da gehe ich dann doch auch mal 2 Stunden. Und auch gehen wir eher Samstags Vormittag, wenn eh alle beim Einkaufen oder Wohnungsputz sind.

    Berge sind für mich eher mit Ruhe und Frieden verbunden. Wenn ich Lust auf Menschen habe gehe ich zum Shoppen nach München.

    Aber – zum Glück – es sind nicht alle Menschen gleich und so haben solche „Aktionsberge“ auch ihre Aktraktivität :grinnod:
    Grüßle Susanne

  3. Meike sagt:

    So eine Gondelbahn auf halber Strecke hätte ich mir ein manches Mal gewünscht… man muss sich ja nicht drauf festlegen. Erstmal loslaufen, und je nachdem wie fit man sich fühlt dann doch fahren^^

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