Virtueller Nachlass

24 Aug

Ehrlich gesagt, wollte ich mich diesmal am Webmasterfriday gar nicht beteiligen. Aus mehreren Gründen. Vorgeschoben hätte ich den Zeitfaktor, denn gerade am letzten Freitag hat ja mein Blog hier gestreikt. 

Der weitere Grund war, das mich das Thema nicht anspricht, nicht weil es nicht interessant ist, sondern eher das Gegenteil, es ist hoch interessant. Doch es ist ein Thema, mit dem ich mich nicht gerne beschäftigen möchte: den Tod.

Was passiert mit den Onlinekonten nach dem Tod, wie geht man mit dem Tod einer virtuellen Bekanntschaft um. Nein, damit möchte ich mich nicht beschäftigen, doch die ersten Beiträge, die ich zu diesem Thema gelesen habe, haben mich doch nachdenklich gestimmt. Und zwar hat der Internetblogger eine viel wichtere Frage aufgeworfen – kommt Jemand an Deine Daten ran?

Gerade bei uns wäre das eine wichtige Frage, denn mein Mann und ich unterhalten ja einige Domains und auch Webseiten, die ja auch Kosten verursachen, oder Gewinn bringen.

Gut, wenn einer von uns sterben würde, wüsste der andere schon ungefähr, wo und welche Konten aktiv sind und in welchem Ordner wir die Passwörter und Co aufbewahren. Denn soweit sind wir immerhin, dass wir alle wichtigen Zugangsdaten nochmals in Papierform haben. Eigentlich sollten wir uns da langsam mal Gedanken über eine sichere Aufbewahrung machen, doch das steht auf einem anderen Blatt Papier.

Eine andere Frage war jedoch, was passiert, wenn wir beide sterben würden. Also z. B. bei einem Autounfall. Das passiert ja auch nicht so selten. Hat dann noch Jemand Zugriff, oder besser noch, kann sich Jemand überhaupt einen Überblick verschaffen? Was ist bei einem Wohnungsbrand. Wenn alle Computer und das Papier verschmort (jaja, hier kommt bei mir der Versicherungsfuzzi wieder durch). Was ist dann?

Der erste Gedanke ist (und von Vielen wahrscheinlich der liebste) – das wird schon so nicht passieren. Der zweite – ja, man sollte mal da was machen, und wir wüssten sogar was.

Doch ob man etwas macht, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Ehrlich, denn keiner beschäftigt sich gerne mit der eigenen Vergänglichkeit. Auch oder erst recht nicht, wenn man gerade gesundheitlich angeschlagen ist. Nur nicht genauer darüber nachdenken, doch es wäre ja so einfach.

Wir haben nämlich uns überlegt einen Ordner anzulegen, bei dem wir alle wichtigen Online-Konten mit Namen, Zugang und Passwort auflisten. Dieser Ordner sollte möglichst gut für uns erreichbar sein, damit wir ihn aktuell halten, er sollte ein Feuer überstehen und zusätzlich möchten wir ein bis zwei Personen zu diesem Ordner einweihen. Das sind neben unseren Kindern auch eine sehr gute Freundin. Wenn dann mal etwas passiert, dann haben diese Personen sofort einen Zugriff auf alle Daten und können kündigen, Guthaben abrufen, Zahlungen tätigen und entsprechend die Konten abwickeln.

Ja, dieser Ordner wäre sinnvoll. Eindeutig. Aber wie gesagt, ob man ihn macht oder nicht – steht auf einem anderen Blatt Papier.

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6 Responses

  1. Iris sagt:

    Das ist ja schon fast wie ein Testament für die Online-Belange und mit Sicherheit wichtig, wie das allgemeine Testament, das auch viele Leute vor sich her schieben, bis es zu spät ist und dann nur noch irgendwelche gesetzlichen Regelungen greifen. Fast immer, wenn ich meine Eltern besuche, führt mich meine Mutter zu einem Ordner im Regal, in dem sie gemeinsam in Schriftform alles geregelt haben und das schon seit Jahrzehnten und ggf. immer wieder aktualisiert. Sie haben sogar schon die Beerdigung organisiert und man müsste im Prinzip nur noch den Bestatter anrufen, um alles ins Rollen zu bringen. Anfangs fand ich das ziemlich übertrieben. Mittlerweile bin ich froh darüber, denn im Bekanntenkreis bekomme ich gerade mit, wie es laufen kann, wenn nichts geregelt wurde.

    Beim Netzwerk stayfriends habe ich neulich im Profil eines Klassenkameraden die Notiz „verstorben am…“ entdeckt. Das Profil ist aber noch einsehbar. War auch ein seltsames Gefühl.

    • Mella sagt:

      Die Eltern meiner Freundin haben auch schon alles mögliche geklärt. Als meine Mutter gestorben ist, wäre ich wirklich froh gewesen zumindest genau zu wissen, wo etwas liegt. Das war gar nicht so einfach.

      Gestern war meine Freundin zu Besuch und sie weiß im Moment wenigstens, wo wir unsere Ordner lagern, doch geordnet ist das alles noch nicht. Aber besser als gar nichts.

      Ich glaube Dir, wenn Du sagst, dass das ein komisches Gefühl ist, wenn man bei einem Klassenkameraden liest „Verstorben am“. Neulich auf dem Friedhof haben wir auch ein Grab von einem Mann gesehen, der gerade mal ein Jahr älter als mein Mann war……
      Die eigene Sterblichkeit holt einen so ziehmlich unsaft ein.

  2. astrid sagt:

    Eigentlich denke ich, dass „dieser Papierkram“ für die Menschen die einen mögen nicht das Schlimmste ist, wenn man stirbt. Aber du hast recht. Es ist einfach, diesen Papierkram so einfach wie möglich zu gestalten. Trotzdem sollte man nicht zu viel Zeit mit solchen Dingen verbringen. Wir leben doch Gott sei Dank im Hier und Jetzt.
    Liebe Grüße
    Astrid

    • Mella sagt:

      Doch der Papierkram ist das schon schrecklich. Was da alles zu telefonieren, ab- und umzumelden ist und und und. Ich hatte beim Tod meiner Mutter 2 bis 3 Tage nur am Telefon zu tun. Und dann noch das schriftliche hinzu

  3. Alex L sagt:

    Hallo zusammen,
    gerne habe ich den obigen Artikel durchgelesen und ehrlich gesagt, wäre die Unerreichbarkeit der auf dem PC befindlichen Daten im Ernstfalle doch schon fatal. Demnach übertrieben gesagt, lass mal so einen Arbeits-PC oder ein Notebook seit mehreren Jahren im Besitz sein und käme es dann zu einem Brand, dem Ableben der Besitzer etc.pp. – wäre es noch schlimmer.

    Ich denke mal, dass jeder aus der Webworker/Webmasterszene sich ähnliche Fragen stellt wie etwa: „Was wäre wenn“ !? Diverse Tools haben wir zugenüge, um alle Daten zu archivieren oder auf andere Speichermedien zu übertragen bzw. auch offline zugänglich zu machen.

    Übrigens vielen Dank für den Linkverweis zu meiner Artikelvariante.

    • Mella sagt:

      Die Daten auf dem PC sind ja alleine schon schrecklich genug, jetzt nimm aber mal Jemanden, der noch nie was mit Deiner Tätigkeit zu tun hatte. Bis der sich reingearbeitet hat…..

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