Perchten – ein Brauch in der Kritik

23 Dez

Wir wohnen ja in Bayern, in Oberbayern in relativer Nähe zu Niederbayern und Österreich um genau zu sein. Aus Richtung Österreich und Berge kommt ein etwas wilder und vielleicht für manche auch ein schräger Brauch, und zwar die Perchten (und die Klausen und die Buttenmandl, etc aber heute geht es um die Perchten.) Viele von Euch werden bestimmt schon von ihnen gehört haben, dass sie so wild und gefährlich seien.

Und auch die andere Diskussion schlägt ziehmliche Wellen, dass es da so viele Nachahmer gibt und immer mehr Perchtenvereine aus dem Boden schießen und somit das Brauchtum verfälscht wird und dass der Brauch nur zum Saufen und zum Rumtoben genutzt wird.

Das alles ist Quatsch!

Klar, anfänglich mag der Brauch schon wild und gefährlich wirken, doch wenn man den Hintergrund kennt (und das tut hier in Bayern so ziehmlich Jeder!), dann muss das auch so sein. Okay, damit Ihr nun auch mitreden könnt:

Gerade in den Bergen war und ist es in den längsten Nächten des Jahres dunkel, richtig dunkel. Da sieht man oft die Hand vor Augen nicht. Die Wälder sind oft noch so dicht, dass das Mondlicht nicht hindurchscheinen kann und die großen Berge werfen auch einen düsteren Schatten. So kommt es, dass die Menschen gerade diese Nächte besonders gefürchtet haben. Sie glaubten, dass in der Dunkelheit die bösen Geister ihr Unwesen treiben und Mensch, Tier und Hof heimsuchen und vernichten.

Damit dies nicht geschieht, mussten die Geister vertrieben werden. Da aber die Geister vor keinem Menschen Angst haben, verkleidet man sich möglichs schrecklich (am besten so wie die Geister selbst) und führte Beschwörungstänze auf und lässt das Feuer für sich arbeiten und erhellt somit die dunkle Nacht.

Damit die Geister auch wirklich überzeugt werden, müssen die Perchten sich auch möglichst wild aufführen, laut sein und sie dürfen nicht zu nett zu anderen Menschen sein. (weitere Infos unter Brauchtumsjahr.de)

Ab hier bin ich immer froh, dass die Geister mit den heutigen Kindern nichts aber auch gar nichts gemeinsam haben. Denn für alle anwesenden Kinder (viele im Alter von 1 bis 16 Jahren) sind die Perchten ein tolles Ereignis und von Angst keine Spur. So hat sich die halbe Klasse von Sixten bei den Perchten getroffen. Dabei wurden wir sogar „gewarnt“ dass die Perchten aus Laufen so wild und gefährlich seien.

Klar, wird da mal die Mütze geklaut oder ein Schneeball in den Kragen gesteckt oder mit der Rute leicht auf die Beine geschlagen (soll übrigens gut für die Fruchtbarkeit sein) etc. Doch es gibt als Trost immer eine Nuss, Mandarine oder ein Bonbon. Und die Kinder finden es wirklich lustig, wie wir Erwachsenen auch.

Doch seht selbst und macht Euch ein eigenes Bild:

Ja, der Brauch mag für Manche von Euch befremdlich wirken, doch seien wir ehrlich, ich kann z.B. mit Büttenreden überhaupt nichts anfangen und ich glaube, man muss den Hintergrund kennen lernen um wirklich mitreden zu können.

Nun noch zu den oben genannten Kritikpunkten:

Klar, manche Perchtengruppen haben übertrieben und nicht nur kleinen Schabernack getrieben sondern wirklich mit den Ruten fest zugeschlagen oder eben auch Leute richtig in den Schnee getaucht. Das ist falsch und es kommt eigentlich auch so gut wie nicht mehr vor, zumindest dort wo ich war, ist es nie passiert und wie gesagt, die Perchten aus Laufen, die Ihr im Video seht, sollen sehr wild sein….

Und was ist nun mit den Perchtenvereinen, die nun wie „Unkraut“ aus dem Boden schießen? Dazu bleibt mir nur eines zu sagen. Brauchtum ist lebendig und soll auch lebendig sein. Es wandelt sich und verändert sich und wenn wir schon immer so gedacht hätten, hätte keiner von Euch einen Weihnachtsbaum zu Hause stehen, denn dieser Brauch wurde auch erst mal eingeführt und dann als Modeerscheinung immer populärer, bis er nun fest verankert ist.

Ach ja, Wasserburg hat keinen eigenen Perchtenverein. Uns besuchen die Perchten aus Laufen, die uns vor den bösen Geistern schützen.

Und wer weiß, böse Geister gibt es auch heute noch, oder wie soll man sonst manche politische Entscheidung verstehen. Sie zeigen sich heute nun nicht mehr so wie früher, als Menschen direkt bedroht wurden, nein, heute sind es politische Entscheidungen die unsere Menschenwürde oft antasten und  vielleicht hilft es ja was :kiss:

In dem Sinne – schöne Weihnachten!

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