Journalistisch Ethik – Fehlanzeige?

09 Dez

Es ist schon erstaunlich wie frech und dreist uns viele Medien einfach ins Gesicht lügen. Sascha hat mit seinem Beitrag über die erfundene Kritik zu Wetten dass eine interessante Diskussion angestoßen.

Für #oesterreich ging die Sendung gestern weiter. In Anbetra... on Twitpic

Dieses Bild (c) @RealMarcelHauer Vienna in Twitter und Twitpic

Es ging grob darum, dass in einer Zeitung ein doppelseitiger Bericht über Wetten dass erschienen ist. Mit einer eindrucksvollen Gästeliste und dass alle miteinander so nett geplaudert hätten. Doch dies ist, wie wir alle wissen, ja nie geschehen, da die Sendung ja durch den tragischen Unfall abgebrochen wurde.  Da hat anscheinend der Redakteur diese Sendung nie gesehen und auch  den Artikel bereits vorher verfasst.

Doch in der Diskussion gibt es tatsächlich die Meinung, dass es ja nicht so schlimm sei, da ja nichts wirklich durch die fehlerhafte Berichterstattung geschehen ist und bei Boulevard doch sowieso anscheinend die Tatsachen, sagen wir mal, beliebig ausgelegt werden.

Doch ich bin hier eindeutig anderer Meinung. Unterliegen nicht gerade Journalisten einer gewissen Moral uns wahrheitsgemäß zu informieren? Ist es nicht sogar ihre Pflicht?

Vor dem Internet war die Zeitung oder auch das Fernsehen ein sehr wichtiges Medium um das Volk zu informieren und auch Meinungen zu verbreiten. Auch jetzt im Internetzeitalter würde ich Zeitungen noch immer als wichtig einstufen. Doch ist es nun leichter möglich – solche Fehler oder ich sprech mal direkt von Skandalen, aufzudecken. Ich möchte gar nicht wissen, was vorher schon alles dezent verschwiegen oder fehlerhaft berichtet wurde.

Doch wenn es nun so leicht ist, diese Fehler aufzudecken, müssen dann nicht Journalisten erst recht recherchieren und noch vermehrt auf die Qualität achten? Ich finde ja, doch ist es meist leider nicht mehr so. Es wird schnell schnell gearbeitet – wegen mangelnder Personaldichte, viele Beiträge sind von Anzeigenkunden abhängig und entsprechend aufbereitet und ansonsten muss man der Linie des Blattes oder des Senders folgen. Oft haben Journalisten auch nur einfach das Pech über Themen schreiben zu müssen, die sie nicht wirklich ansprechen.

Sind dann also Blogger eine Lösung?

Teilweise sicher. Denn Blogger schreiben oft nur das was sie interessiert, sind von keinem Anzeigenkunden oder Chef abhängig und dürfen Ihre Meinung ungefiltert äußern. Nur die Leser entscheiden, ob es ihnen gefällt.

Der Nachteil selbst liegt aber auch klar auf der Hand. Nachdem Blogger meistens nur als Hobby bloggen, so haben sie oft weder die Zeit noch die Möglichkeit wirkliche neue und wichtige Nachrichten zu verbreiten. Auch haben die Blogger nicht die Reichweite von Zeitungen (noch nicht), ich denke hier speziell an unsere älteren Mitbürger.

Ein weiterer Nachteil, den die Blogger haben, ist die Finanzierung. Journalisten werden bezahlt. Entweder von der Redaktion (und diese von den Lesern und den Werbeeinahmen) oder von den Sendern (Stichwort Werbung und Rundfunkgebühren). Blogger werden in der Regel nicht bezahlt. Von wem auch, jeder der diesen Text liest hat freien Zugang zu diesem. Blogger arbeiten deswegen oft mit Werbeeinblendungen oder lassen sich für Produkttest engagieren. Nicht anders läuft es in den Zeitungen auch. Doch Blogger dürfen freier schreiben. Wenn ich einen Produkttest durchführe, schaue ich mir das Produkt genau an, teste es im Alltagsgebrauch und nicht unter Laborbedingungen. Wenn etwas gut ist kommuniziere ich es klar und deutlich, genauso wie die Punkte, die man in meinen Augen noch verbessern könnte. Dabei betreibe ich keine Erbsenzählerei und es ist mir und hoffentlich allen Lesern klar, dass zum Beispiel eine Kamera um etwa 50 € etwas anderes Leisten muss als eine Kamera um 1000 €. Doch wenn die Kamera für 50 € für ihre Verhältnisse gute Dienste leistet, so kann man das auch kommunizieren. Ein Metallgehäuse erwarte ich hier z. B. allerdings nicht.

Bin ich dann nun parteiisch, wenn ich dann das Produkt z. B. behalten dürfte?

Nein. Natürlich freue ich mich über das Produkt, doch ich würde etwas viel wertvolleres verlieren, wenn ich nun nicht mehr ehrlich bin: Meine Autentizität.

Und dieser Verlust wäre viel schlimmer, denn der Blog lebt durch meine Art und Weise und dass ich ehrlich bin, autentisch halt.

Wenn dies nicht mehr gegeben ist, dann verliere ich meine Leser und meine Grundlage. Großen Verlagen oder Sendern kann dies leider oft egal sein, da sie oft eine Vormachtstellung haben.

Das ist wohl der wichtigste Unterschied zwischen Journalisten und Blogger:

Blogger müssen ehrlich sein, Journalisten können ehrlich sein.

Also wenn hier Produkttest kommen und ich bin begeistert, dann bin ich das auch wirklich und wenn etwas nicht sooo toll war, erfahrt ihr es auch!

Abschließende Worte einer Tourismusbeauftragten:

Journalisten schreiben halt nicht drüber, wenn etwas nicht gepasst hat – Blogger schon.

Tags: ,

Leave a Reply