Gibt es den Beruf Blogger?

16 Sep

Der heutige Webmasterfriday greift wieder ein sehr interessantes Thema auf. Ist Bloggen ein Beruf? Sollte es eine Ausbildung geben? Gerade ich fühle mich hier angesprochen, wo ich doch ziehmlich viel Zeit in meine Blogs investiere. Doch sollte meine Meinung nach die Frage anders lauten:

Was bezwecke ich mit meinem Blog?

Möchte ich damit Geld verdienen und davon leben können? Wie bei jeder anderen normalen Erwerbstätigkeit auch? Ist es meine alleinige Tätigkeit im Netz oder nur eines von mehreren Tätigkeitsfeldern?

Gerade da liegt oft der Hund begraben. Es gibt in Deutschland wohl nicht sehr viele Blogger, deren Blogs so viel Geld einnehmen, dass sie mühelos davon leben können. Fast alle Betreiber der größeren Blogs, die ich kenne, üben noch andere Tätigkeiten im Netz aus und haben oft sogar einen Kundenstamm. Einige wenige der großen deutschen Blogs werfen auch so viel Geld ab, dass man von einem Einkommen, im Sinne von Gehalt reden könnte, doch sind hier meist noch nicht die Kosten abgedeckt.  Also mit Bloggen alleine wird es wohl sehr sehr schwierig werden.

Doch wenn man Bloggen als Teil einer Berufstätigkeit sieht, da schaut die Sache schon anders aus. Ein Blog kann eine sehr gute und sinnvolle Ergänzung sein und auch wunderbar eingesetzt werden um Kunden zu aquirieren, sich selbst zu profilieren, Werbung zu betreiben und natürlich auch einen Teil der Einnahmen bestreiten.

Dies ist auch der Weg, den ich verfolge. Einerseits sind meine Blogs meine Spielwiese, mein Wissenspfuhl, in denen ich Plugins teste, bevor ich sie an Kunden weitergebe, mit Themes spiele, meine Textertätigkeiten verbessere und zudem noch Kontakte knüpfen kann. Dass ab und an sogar ein paar Einnahmen dazukommen ist ein schöner Nebeneffekt. Doch viel wichtiger ist mir der Lern- und Übungseffekt.

Ausbildung

Ich bin jetzt Mitte 30 und als ich damals mit der Ausbildung angefangen habe, gab es meine jetzige Tätigkeit nicht. Ich habe daher eine klassische Ausbildung als Versicherungskauffrau abgeschlossen. Dieses Wissen kann ich nun hier kaum noch gebrauchen. Als ich mit dem Internet angefangen habe, so vor etwa 3 Jahren, habe ich noch HTML und CSS2 gelernt. Nun gibt es bald HTML5 und CSS3.

Wenn ich mir die Schule meiner Kids anschaue, dann wird dort zwar versucht mit relativ neuen Mitteln zu arbeiten und die Lehrer geben sich wohl auch Mühe halbwegs aktuell zu sein, doch auch hier wird oft mit veralteten Programmen und Programmsprachen gearbeitet. Denn die Entwicklung im Netz ist so rasend schnell, dass Ausbildungsstätten meiner Meinung nach viel zu langsam reagieren können. Der Stoff müsste jeweils angepasst werden und dann hängt es wohl am Engagement der Lehrer. Dies ist nicht zu bewerkstelligen.

Bloggen oder Webworker als Ausbildungsberuf? Und dann? Wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, fängt man doch oft genug wieder von vorne an. Dann wird aus HTML schnell mal HTML5. Oder Joomla und WordPress bringen neue Versionen mit neuen Möglichkeiten heraus oder Google führt neue Features ein.

Nein, Bloggen kann nie wirklich ein Ausbildungsberuf werden. Doch lernen kann man. Man muss sich selbst engagieren, bei den wichtigsten Blogs zu diesem Thema mitlesen und selbst immer weiter lernen. Die Fachpresse reagiert oft erstaunlich schnell und viele dieser Bücher sind gut zu lesen. Gerade hier hört das Lernen und die Zeit der Ausbildung niemals auf.

Wie lautet nun meine Berufsbezeichnung?

Ein Großteil meiner Zeit geht für Bloggen drauf. Allerdings mit dem Ziel zu lernen. Bin ich nun ein Blogger? Ja, schon, teilweise. Aber was ist mit dem Rest? Brauchen meine Kunden einen Blogger? Wohl nicht. Und was ist mit meinen anderen Webseiten? Und unserer SEO-Tätigkeit?

Wir haben in  unserer Firma absichtlich den Begriff Webservices genutzt, denn das beschreibt unsere Tätigkeit wohl am Besten. Service rund ums Internet. Seien es Texte, Webseiten, Domains, Seo-Tätigkeiten oder einfach nur mein Blog, mit dem ich hoffentlich auch entweder ein wenig Service oder zumindest Unterhaltung biete.

 

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8 Responses

  1. Susanne K. sagt:

    :nod: ich kann dem nur zustimmen. Bloggen ist wohl eher nur ein kleiner Teilbereich (der aber wohl doch viel deiner Zeit in Anspruch nimmt), aber ich muss sagen: ich selber provitiere immer wieder von deinen Kenntnissen und finde toll, was du und Stef so aufgebaut habt.

    An dieser Stelle ein ganz großes Lob! :grinnod: :grin:

  2. Hallo Mella,

    Ja, zum Bloggen gehört mehr als nur Schreiben. Gerade die Vermarktung des eigenen Blogs ist ein wichtiger Aspekt und gehört zum täglichen Brot.

    Für mich die das Bloggen kein direkter Beruf, denn von den Einnahmen die online generiert werden kann ich sicher nicht leben. Doch der Blog ist ein Aushängeschild für meine Tätigkeit und soll „Werbung“ für das Thema machen und dann eben Offline einen Verdienst bringen.

  3. Arcon sagt:

    Ich denke „Blogger“ ist nur eine Verschiebung des klassischen Journalisten in den Online-Bereich mit selbstgesetztem Schwerpunkt.
    In den nächsten Jahren wird der Bereich „bloggen“ sicher immer professioneller werden und damit zu einer kompletten „neuen/alten“ Berufsgruppe avancieren.

    • Mella sagt:

      Das glaube ich jetzt ehrlich gesagt weniger. Denn die Journalisten sträuben sich in diesem Bereich eher. Noch sind es engagierte Menschen ohne journalistischen Hintergrund, die etwas sagen wollen.

      • Arcon sagt:

        Der Beruf Journalist ist einfach nur eine Berufsbezeichnung für Menschen die schreiben und Ihre Meinung kundtun. Diese Berufsbezeichnung ist nicht einmal geschützt, so dass sich jeder der schreibt auch Journalist nennen darf. Zwar wird die Berufsbezeichnung Journalist meistens mit Mitarbeitern der großen Massenmedien assoziert, doch das ist eben nur ein kleiner Teil der Journalie.
        Daraus abgeleitet ist jeder Blogger der seinen Lesern hochwertige Artikel mit einem Mehrwert bietet eben auch ein Journalist, nur das die Bezeichnung anders lautet – das liegt aber schlicht an der Grundlage des Entstehens der Bezeichnung Blogger.

        Menschen die „einfach etwas sagen wollen“ werden kaum professionell bloggen und daraus erschließt sich dann auch keine neue Berufsgruppe. Das sollte definitiv differenziert werden, bei der Betrachtung der Frage „Gibt es den Beruf Bogger?“.

        Den journalistischen Hintergrund schafft sich also jeder selber und da ist es egal ob das Kücken Blogger, Jounalist oder Internettextschreiber mit Printmedialenhintergrund heißt. :)

        Gerade der englische Bereich, dem wir in Deutschland meist 5-10 Jahre hinterhängen zeigt auf, dass der Beruf Blogger schon lange ein Teil der Internetgesellschaft ist. Nur eben im deutschsprachigen Raum noch nicht komplett angekommen oder mit Argwohn betrachtet. Professionelle englische Blogs mit einem Monatsumsatz jenseits der 5.000 $ sind tatsächlich keine Seltenheit mehr.

        Bei der Frage „Gibt es den Beruf Blogger“ sollte also jeder über den Tellerrand schauen, alle Facetten durchleuchten und daraus entsprechend ableiten. Je nach Industralisierungsstand sind Berufsgruppen entstanden und wieder verschwunden. Vor 20 Jahren gab es auch nicht den Beruf Webdesigner, vor 10 Jahren wurde man noch belächelt wenn man als Berufsbezeichnung Webdesigner angab, heute gibt es Firmen die verdienen Millionen im Jahr damit.

        Liebe Grüße

        Arcon

        • Mella sagt:

          Wow, danke für diesen tollen Kommentar.
          Stimmt, das was ich heute mache, diesen Job hat es vor 15 Jahren noch nicht gegeben. Sogar noch nicht mal vor 10 Jahren. Und Du hast sicher recht, dass wir noch eine Weile warten müssen, um dieses Berufsbild zu haben.
          Übrigens danke für die Info, dass Journalist keine geschützte Berufsbezeichnung ist :-)

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