Domain – Basics – Generische Domains

09 Nov

Zur Zeit habe ich mit einem Kundenkreis zu tun, die sich nicht besonders im Internet und vor allem im Bereich Webseiten und Domains auskennen. Was mich hier vor allem erschreckt hat, sind die Halbwahrheiten, die dort kursieren und auch lautstark verbreitet werden. Mit diesen wird oft Angst vor einer Abmahnung geschürt, dabei oft das Domainrecht absolut verdreht. Damit möchte ich aufräumen.

Damit gleich alle von Euch wissen, mit wem sie es zu tun haben: Stef, mein Mann ist Domainer. Er ist seit etwa 6 Jahren in diesem Bereich tätig. Er hat dort viele Kontakte und kennt sich auch mit der aktuellen Rechtsprechung und Domainrecht aus. Zu seinen Bekannten zählt unter anderem auch ein Anwalt, der sich auf genau diesen Bereich spezialisiert hat.

Ich selbst habe sein Geschäft von Anfang an begleitet, bis ich mich Richtung Webseiten und Seo weiterentwickelt habe. Davor war ich selbst bei einem der größten deutschen Domainer beschäftigt und dort haben wir immer noch sehr netten und freundschaftlichen Kontakt.

Also ich glaube ihr seht, dass ich mich in diesem Thema auskenne.

Grundwissen generische Domain:

Als generisch kann man wohl jene Domains bezeichnen, die man im Wörterbuch findet.  Wie etwa Fische, Landschulheim, Glaserei und und und . Auch Verben und Adjektive sind möglich, doch eher ungebräuchlich. Zusätzlich zu diesen generischen Domains kommen noch ein paar beschreibende hinzu wie zum Beispiel umgangssprachliche Wörter wie Kloa (bay. für klein), Steckenpferdchen, Spielspaß etc.  Also Wörter, die jeder zuordnen kann, die aber nicht im Wörterbuch auftauchen – hier gibt es erstaunlich viele.

Diese Domains sind in der Regel ungefährlich. Beispiel Bäckerei: Wenn ich als kleiner Bäcker die Domain Bäckerei.de nutzen würde, hätte ich die gleichen Rechte dazu, wie eine große Bäckereienkette. Warum? Weil jeder von uns Bäcker ist. Jeder von uns betreibt eine Bäckerei. Egal wie groß sie ist.  Allerdings sollte man wenn man eine generische Domain hat, sie auch stimmgungsgemäß nutzen. Denn wenn ein Glaser auf der Domain Bäckerei seine Firma vorstellt, hat wohl jede Bäckerei die besseren Rechte. Logisch, oder?

Was ist nicht generisch?

Eindeutig Namen, Eigennamen, Ortschaften und vor allem Marken. Auf normale Wörter wie etwa z.B. Waschlappen darf in Deutschland keine Namens-Marke angemeldet werden. Das haben einige bereits versucht und nicht geschafft. Zumindest bis jetzt nicht.

Bei Ortschaftsnamen oder Landschaftsbezeichnungen liegen die besseren Rechte immer bei den Gemeinden oder Tourismusbüros etc. Hier ist es für normale Menschen sehr schwierig. Vor allem, wenn keine ortsbezogenen Seiten darauf zu finden sind.  – Ortsbezogene Seiten wären zum Beispiel Tourismusinformationen, Veranstaltungskalender etc. Die größte Firma, der Golfplatz, die Schule, die diesen Ort bestimmen – könnten wenn sie Pech haben, die Domain wieder abgeben, wenn es der Bürgermeister so will.  Ganz einfach, weil sie nicht den ganzen Ort repräsentieren.  Nicht gemeint sind hier solche Domains wie Glaserei-Hamburg.de sondern Hamburg.de selbst. Das gilt auch für so kleine Weiler mit 3 Häusern, wie etwa Hayng.

Eigennamen – Vornamen Hier sind die Bestimmungen eher schwierig. Ich als Melanie habe sicher das Anrecht Melanie.de zu halten, doch wenn es einen Künstler mit den gleichen Namen gibt oder noch schlimmer eine Marke, kann ich ggfs. in die Röhre schauen. So gibt es ein Urteil, bei dem ein Boris seine Boris.de an Boris Becker abtreten musste. Viele fanden das Urteil unverständlich – aber so sind die Gerichte nun mal. Vor allem, weil es auch gegenteilige Urteile gibt.  Hier gilt – man kann es ruhig versuchen, hat aber keine Gewähr den Namen auch halten zu können.

Nachnamen – hier wird das ganze schon schwieriger. Meist kommt es oft sogar noch darauf an, ob es eventuell eine Firma dazu gibt, die genauso heißt. Oft hat dann diese die besseren Rechte. Wir selbst haben auch eckstaller.de – aber erstens ist es ein recht seltener Namen, wir heißen auch so und was noch wichtiger ist – ich firmiere auch so!

Von meinen o.g. Kundenkreis wurde ein Urteil zitiert, welches sich um Shell drehte. Hier musste ein Mann mit dem Nachnamen Shell seine Domain Shell.de abgeben, da Shell diese für sich beansprucht hat.  Wie ihr gerade gelernt habt, haben meist Firmen die besseren Rechte. Was aber auch noch für Shell spricht, ist dass sie nicht nur ein internationale Unternehmen sind, die unter diesem Namen firmieren, sondern dass sie auch eine Marke noch eingetragen haben. Doch diese müsste wahrscheinlich noch nicht mal sein. Denn ganz einfach – jeder von uns, der Shell hört, denkt an die Tankstelle und nicht, dass es ein Nachname ist.

Marken bekannte Marken wie Tempo sind nicht generisch, auch wenn das Wort Tempo selbst auch für Schnelligkeit stehen kann. Ganz einfach, weil sie dafür viel zu bekannt sind. Zudem ist hier eine Marke dazu eingetragen. Also vorher ggfs. mal beim Deutschen Patentamt nachschauen. Das ist kostenlos. Allerdings: wenn es z.B. eine Firma Magnete gibt, die etwas mit Autos machen und man selbst aber eine Seite zu den Magneten selbst aufbaut – dann sieht die Sache ganz anders aus. Nämlich viel besser für Euch, also bei der Marke auch unbedingt die Klasse beachten. Bestes Beispiel ist hier Müller. Hier gibt es Bäckereien, Drogeriemärkte und den klassischen Müller als Beruf und den Nachnamen.

Zusammenfassung:

Generische Domains findet man im Wörterbuch. Diese sind absolut ungefährlich. Namen, Marken, Ortsnamen etc sind nicht generisch!

Beschreibende Domains wie Elektrorasur, Fotowork, Kinderspielcenter  – sind in der Regel auch ungefährlich, wenn man sie sinngemäß nutzt und es keinen direkten Konkurrenten mit genau der gleichen Seite auf ener ähnlichen oder einer anderen Endung gibt.

Namen sollte man selbst besitzen um ansatzweise die Rechte daran zu haben. Doch auch dann könnte man sie verlieren, wenn es jemanden mit besseren Rechten gibt, wie etwa Firmen, Berühmtheiten etc.

Ortsnamen sind immer gefährlich. Falls man unbedingt einen Ortsnamen benutzen möchte, sollte man sich mit dem entsprechenden Amt (Bürgermeister, Gemeinde, Tourismus….) absprechen und sich möglichst auch schriftlich die Nutzung bestätigen lassen – das Zauberwort heißt hier Zusammenarbeit.

Marken sollten immer gemieden werden, wenn man nicht selbst gerade Markeninhaber ist.

Wichtiger Hinweis zum Schluss:

Dies ist keine Rechtsberatung sondern nur meine persönliche Meinung, die sich aus jahrelanger Beobachtung der Branche so ergeben hat. Wer es genau wissen will, sollte einen darauf spezialisierten Fachanwalt aufsuchen.  Zudem ist es nur ein winzigkleiner Auszug aus dem mittlerweile recht komplexen Domainrecht.

Nochmal: bei Fragen, wendet Euch bitte an die Profis. Sei es ein Fachanwalt, die Betonung liegt auf Fach, oder an Leute, die sich jahrelang mit der Thematik beschäftigen. Bitte verbreitet auch keine Halbwahrheiten weiter oder schürt unnötige Ängste.

Danke

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4 Responses

  1. Jana sagt:

    Ja, es ist wirklich schlimm, welche Panik teilweise vor dem Internet verbreitet wird. All die Unwahrheiten über Facebook und Co. Aber wir brauchen uns ja nicht wundern, wenn Leute wie Aigner u. Konsorten Unwahrheiten verbreiten und gleichzeitig aufgrund ihrer Position in der Gesellschaft Meinungsbildung betreiben. Nach dem Motto „Eine Ministerin muss ja Recht haben“. Aber was solls, das werden wir nicht im Großen ändern können, im Kleinen von Auftraggeber zu Kunde schon :-)

    Vielen Dank für den Artikel, alles habe ich auch nicht gewusst, vor allem das der Boris die Domain gerichtlich erzwungen hat. Ja, ja, Geld regiert die Welt.
    Ich wollte damals vor 10 Jahren, als ich Janasworld.de reserviert habe, jana.de haben. Damals noch eine private seite, mit gelbem Hintergrund und dem Text das hier bald was entstehen würde. Das beobachtete ich 5 Jahre lang. Heute kommt dort immer noch kein Inhalt, aber der gelbe Hintergrund ist weg. Aber ich bin froh, dass ich sie nicht habe, wer weiß welche berühmte Jana sie mir heute hätte weggenehmen können :-)

    Und im Nachhinein bin ich froh, dass ich die Domain mit meinem vollen Namen habe. Bis vor 5 Jahren war ich die einzige Jana mit diesem Nachnamen in Dtl., bis der Cousin meines Vaters eine Jana geheiratet hat.

    Zum Thema Domainhandel: die letzten Monate musste ich ganz schön erfinderisch sein, als ich für ein neues Projekt eine passende Domain suchen musste. Erst gestern haben wir wieder gesucht und es ist schlimm, wie viele Domains aufgrund von irgendwelchen Geschäftemachern gekauft wurden, um sie dann an Leute wie mich, die sie brauchen könnten, verscherbeln zu können. Meines Erachtens ist das unlauterer Wettbewerb und hätte verboten werden müssen. Ich hätte jedesmal brechen können, wenn sie im Domainhandel auftauchte….

    • Mella sagt:

      Hi Jana,
      Domainhandel ist nicht gleich Domainhandel. Hier tummeln sich leider ziehmlich viele schwarze Schafe, aber eben auch einige ehrliche und faire Händler. Das ist genauso wie bei den Versicherungsvertretern – hier gibt es auch welche, die nur Abzocken und welche, die wirklich fair sind.
      Ich sehe das mittlerweile sehr differenziert.
      Ach ja, Domainhandel ist international, wie hätte das verboten werden sollen? Du kannst nicht die ganze Welt kontrollieren und es ist besser einen deutschen Ansprechpartner zu haben als einen in China.

      Mella

  2. Felix sagt:

    Es ist allerdings für unerfahrene oder Neulinge teilweise schwer, seriöse von unseriösen Damainhä#ndlern zu unterscheiden… Aber das mit den „besseren Rechten“ im Domainrecht wusste ich ehrlich gesagt nicht. ich dachte immer wer zuerst kommt mahlt zuerst… Also: Danke für die Aufklärung! :)

    • Mella sagt:

      Oh ja, das stimmt. Gut über Sedo selbst ist man als Käufer meist auf der richtigen Seite. Und ansonsten kann ich nur den Tipp geben – die meisten Domainer kennen sich untereinander. Sobald Du einen halbwegs vernünftigen gefunden hast, frag ihn. Auch wenn er die Domain nicht hat, hat er meist die Erfahrung und das Wissen, ob er die Domain besorgen könnte und wenn ja zu welchen Kosten……

      Machen wir ja auch .

      Mella

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